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03.12.2013 Altes Schloss sucht neue Besitzer - schon wieder

Arensburg für 490000 Euro im Internet angeboten

Schaumburger Zeitung / 3.12.2013

Steinbergen

Von Hans Weimann
Dr. Christiane Bennink aus Münster, Geschäftsfrau und Zahnärztin, ist offensichtlich Optimistin. Die von ihr für 254 000 Euro bei einer Auktion der Westdeutsche Grundstückauktionen GmbH am 16. Juni 2012 in Köln ersteigerte Arensburg ist jetzt bei Immobilien Scout 24 für 490000 Euro wieder auf dem Markt.

Angeboten von der Geschäftsstelle Bielefeld des Immobilienhauses Poll, mit Niederlassungen in ganz Deutschland und über 150 Büros einer der großen in der Branche. Dr. Hartmut Goldau, Chef in Bielefeld, schilderte gestern auf Anfrage, man habe Erfahrung mit solchen Objekten und sei deshalb zuversichtlich einen Käufer zu finden.

Rintelner Facebook-Nutzer sehen diesen Versuchsballon schon platzen: „K. S.“ postet auf der Internetplattform „Wenn du in Rinteln lebst“: „490 Riesen? Wird sie nie und nimmer erzielen.“ Und „Ma Lu“ spottet: „Ich frag mal meine Bank.“

Eine Burg als Wanderpokal, der immer schneller weitergereicht wird: 1940 bis 1951 Autobahnraststätte, dann in Privathand. Dieter F. Kindermann macht daraus einen Firmensitz, Heinrich Gruber will ein Erfinderzentrum eröffnen, dann Dr. Bennink und künftig?

Noch immer geistert das Gerücht durchs Dorf, ein Bordell könnte es werden. Kindermann selbst hatte die Spekulation befördert, als er unumwunden eingeräumt hatte, ja da hätte es eine Anfrage aus Belgien gegeben. Kindermann, der immerhin fast sechs Jahre lang einen Käufer für das Schloss aus dem 13. Jahrhundert suchen musste, hatte damals durchblicken lassen, er habe aus „moralischen Gründen“ abgelehnt. Käuflicher Sex in seiner Burg, in der sich Gerhard Schröder, damals noch mit Hiltrud, Hannelore Kohl, Guildo Horn und Sigmar Gabriel die Klinke in die Hand gegeben haben? Nein danke.

Besser als Verfall, sagen Steinberger. Ortsbürgermeister Heiner Bartling machte das sogar einmal öffentlich: Eine Katastrophe wäre es nicht. Doch Bartling hat vor dem Hintergrund der Diskussion um Zwangsprostitution seine Meinung geändert: Dafür würde er keine Werbung mehr machen wollen. Experten für solche Immobilien werden abwinken, war zu hören: So locker sitzt das Geld in der Rotlichtbranche längst nicht mehr.

Und der Denkmalschutz? Hat keine Millionen, die man in die Burg investieren müsste. Rintelns Museumsleiter Dr. Stefan Meyer hatte vor einem Jahr zumindest den Versuch unternommen, bei einer öffentlichen Besichtigung zu zeigen, was für ein Kleinod das alte Gemäuer ist.

Dann kam Heinrich Gruber, der Erfinder, der die Öffentlichkeit sofort aussperrte. Was er mit der Burg wirklich vorhatte? Er hat sich nie deutlich ausgedrückt: Eine WG für Althippies? Ein landwirtschaftliches Alternativprojekt, wie die Vierbeiner vermuten ließen, die im Park gegrast haben? Ein Erfinderzentrum, wie er gegenüber der Presse erklärte? Nach zwei Jahren war die Ära Gruber schon wieder vorbei.

Und mit ihm erreichte der freie Fall des fürstlichen Preises von einst 3,93 Millionen Euro, mit dem die Arensburg 2003 noch im Immobilienteil der „Welt“ annonciert worden war, ihren Tiefpunkt: 180000 Euro wollte Gruber im „Notverkauf“ dafür haben. Den angrenzenden Wald, rund 14 Hektar, behielt er zunächst selbst.

Inzwischen, bestätigte Dr. Goldau, habe der Wald den Besitzer gewechselt. An wen wisse er nicht. Gruber war gestern telefonisch nicht zu erreichen.

Dr. Christiane Bennink, derzeit noch Besitzerin der Burg hatte unmittelbar nach dem Kauf erklärt, sie habe einen Architekten und Projektentwickler beauftragt, ein Nutzungskonzept zu erstellen. Danach herrschte Funkstille.

Offensichtlich sind ihre Projektentwickler auch zu keiner anderen Erkenntnis gekommen, als sie schon Kindermann umgesetzt hatte. Nutzbar sei die Burg als repräsentativer Firmensitz, in dem man auch persönlich wohne, so Dr. Bennink gestern auf Anfrage am Telefon. Warum sie dieses Konzept dann nicht selbst verwirklicht hat, wollte sie nicht beantworten. Auch für Dr. Hartmut Goldau von Poll-Immobilien ist klar: Es kann nur eine gewerbliche Nutzung sein, ein Privatmann würde vermutlich schon an den Unterhaltungskosten für die 1900 Quadratmeter Wohnfläche scheitern.

Foto: tol
Käufer gesucht: Die Arensburg ist nach eineinhalb Jahren wieder auf dem Markt.