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02.12.2016 Albtraum 40-Tonner in der Beekebreite

Steinberger fürchten: Beim Ausbau der Kreuzung suchen Autofahrer "Schleichwege" durchs Dorf

Schaumburger Zeitung / 2.2.2016

Steinbergen

Von Hans Weimann
Mit Spannung erwarten die Steinberger die Ratssitzung in Rinteln am Donnerstag, 8. Dezember. Denn dann will Markus Brockmann, Leiter des Geschäftsbereiches Hameln der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr im Detail die Planungen für den Kreuzungsumbau der Bundesstraßen 238 und 83 in Steinbergen vorstellen. Vor allem die damit verbundenen Umleitungsstrecken.

Und die Steinberger erwarten bei einem Jahr Bauzeit – gebaut werden soll von Frühjahr 2017 bis Frühjahr 2018 – nichts Gutes. Nämlich endlose Staus, Verspätungen für Pendler, Umsatzeinbußen bei Handel und Gewerbe, „Schleichverkehr“ durch das Dorf: Der Albtraum wäre ein 40-Tonner in der Beekebreite.

Das wurde in der konstituierenden Sitzung des Steinberger Ortsrates am Mittwochabend deutlich. Auch ob Schulkinder aus dem Auetal und der weiterführenden Schulen immer pünktlich zum Unterricht kommen, müsse man bezweifeln: „Was ist, wenn in der ersten Stunde eine Klausur geschrieben wird? Da müssen sich auch die Schulen umstellen.“

Bekannt ist bisher, dass die Kreuzung saniert und eine zweite Linksabbiegespur auf der Bundesstraße 238 in Fahrtrichtung Bad Eilsen gebaut und gleichzeitig die Ampelanlage erneuert werden soll. Für diese Arbeiten soll die Kreuzung komplett gesperrt, der Verkehr bereits an der Konrad-Adenauer-Straße über Engern und Westendorf umgeleitet werden. Wer aus Stadthagen kommt, für den ist in Buchholz Schluss.

Wie der wiedergewählte Ortsbürgermeister Heiner Bartling, die Ortsratsmitglieder Markus Witt, Jens Uwe Wienecke und Udo Schobeß formulierten, befürchten die Bürger vor allem, dass sich der Verkehr bei Staus neue „Schleichwege“ durch die Wohnstraßen von Steinbergen sucht. Der Ortsrat hofft deshalb, dass die Stadtverwaltung in solchen Fällen schnell und flexibel reagiert und nicht erst „die Verkehrskommission zusammenruft“, ehe Maßnahmen in Gang kommen.

Die Verwaltung hatte jüngst auf Antrag der CDU mit Zählplatten den Verkehr in der Bachstraße ermittelt. Das Ergebnis zeigt, dass die Befürchtungen des Ortsrates nicht allzuweit hergeholt sind.

Schon heute wird die Straße mehr frequentiert, als eine reine Anwohnerstraße erwarten ließe.

Die Messungen der Stadt ergaben 204 Fahrzeuge in 24 Stunden. Zwar hielten sich die meisten Autofahrer an die vorgeschriebene Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern, doch sieben sind mit über 90 Stundenkilometer durch die Wohnstraße „gerauscht“. Und die Ortsratsmitglieder rätselten: „Wie und vor allem wer macht so etwas?“

Fahrbahn aus Beton, dadurch mehr Lärm?

Vorschlag des Ortsrates: die Fahrbahn einengen, Blumenkübel aufstellen. Diskutiert wurde auch eine Aufpflasterung oder andere Baumaßnahmen. Bartling riet davon ab: Dann würden Anliegerbeiträge fällig.

Auf dem Weg „Kirchberg“ soll ein umklappbarer Sperrpfosten Autofahrer an einer Weiterfahrt in Richtung Engern hindern. Auch dieser Weg könnte ein beliebter „Schleichweg“ bei Staus auf den anderen Straßen werden. Umklappbar müsste der Pfosten sein, damit Notdienste und Feuerwehr weiterhin hier durchfahren können.

Dass wie geplant die Steinberger Kreuzung mit Beton ausgebaut werden soll, hielten Ortsratsmitglieder nicht für glücklich. Auf Beton sind, wie man von Autobahnfahrten weiß, die Abrollgeräusche der Reifen hörbar lauter als auf Asphalt.

Damit könnte im Bereich der Kreuzung für die Anwohner die Lärmbelästigung deutlich ansteigen. Die Landesbehörde hatte begründet, Beton halte länger. Dadurch verlängere sich allerdings auch die Bauzeit. Asphaltieren geht schneller.

Auch im Rintelner Rathaus ist man wohl inzwischen skeptisch, ob alles nach Plan läuft. Die Erfahrungen beim Ausbau der Landesstraße in Todenmann sprechen nämlich dagegen. So kann man in der Ratsvorlage für den 8. Dezember nachlesen: „Mit Unwägbarkeiten“ müsse man beim Kreuzungsausbau rechnen.

Für die WGS formulierte das Gert Armin Neuhäuser deutlicher: „Wer auf Zielvereinbarungen und Vertragsstrafen in seinen Verträgen mit Baufirmen verzichtet, gibt das Heft des Handelns aus der Hand.“

Die WGS hat deshalb für Brockmann bereits einen Fragenkatalog zusammengestellt. Sie will von ihm wissen, wie die Verkehrsleitung bei einem Stau oder Unfall auf der Autobahn aussehen soll, damit in Engern, Westendorf und Deckbergen nicht ein Verkehrschaos ausbricht.

Foto: wm
Schon heute wird die Bachstraße mehr frequentiert, als eine reine Anwohnerstraße erwarten ließe. Wird der Verkehr durch den Umbau der Kreuzung dichter?