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02.07.2014 Windräder oder brütende Seeadler?

Investor will eine Anlage mehr in Ahe / Nabu verweist auf geänderte ökologische Lage im Wesertal

Schaumburger Zeitung / 2.7.2014

Rinteln/Landkreis

Von Dietrich Lange
Wird es in vielleicht zwei Jahren nun drei statt der bisher anvisierten zwei Windenergieanlagen zwischen Westendorf und Ahe südlich der Hochspannungsleitung geben oder gar keine?

Während Investor Planet Energy beim Landkreis Schaumburg schon wegen einer dritten Anlage vorgefühlt hat, verweist der Nabu Rinteln auf sein Projekt „Auenlandschaft Oberweser“ und die dadurch geänderte ökologische Lage im Wesertal. Und offen ist immer noch, ob der erweiterte Denkmalschutz für Gut Echtringhausen als drittes Hindernis am Ende das Projekt vollends aufs Abstellgleis schiebt.

Baudezernent Fritz Klebe vom Landkreis Schaumburg bestätigt, dass es im Dezember ein Gespräch mit Planet Energy, der Stadt Rinteln als zuständiger Baugenehmigungsbehörde, dem Landkreis (Genehmigungsbehörde nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz) und dem NLWKN (niedersächsisches Landesamt für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz) als Fachbehörde gegeben habe. Darin habe Planet Energy seine Pläne erläutert, ein drittes Windrad bauen zu wollen. Es sei erörtert worden, welche Genehmigungsunterlagen mit dem Bauantrag vorzulegen sind, aber auch Bedenken seien laut geworden. Dieser Bauantrag ist seitdem noch nicht eingereicht worden.

Immerhin hat Dr. Gert Armin Neuhäuser (WGS-Fraktionsvorsitzender) in der jüngsten Rintelner Ratssitzung nachgefragt, wie der aktuelle Stand ist. Erster Stadtrat Jörg Schröder bestätigte den Termin beim Landkreis und die Sachlage.

Julian Tiencken, Projektmanager für erneuerbare Energien bei Planet Energy, erklärt, dass zwar ein dritter Standort anvisiert werde, aber aus technischen Gründen inzwischen alle drei Standorte südlich der Bahngleise lägen. „Vom Platz her sind drei Anlagen möglich, aber die dritte ist nur schwer genehmigt zu bekommen. Dafür brauchen wir weitere Untersuchungen. Wir fokussieren uns erst mal auf zwei Anlagen, über die dritte ist bei uns intern noch nicht entschieden. Wir haben aber schon viele Daten gesammelt, kennen das Gebiet inzwischen sehr gut. Von Gut Echtringhausen liegt das nächste Windrad 500 bis 600 Meter entfernt. Und die gesetzlichen Auflagen für Schall- und Schattenwurfwerte halten wir ein.“

Tiencken rechnet damit, dass der Bauantrag für zwei Anlagen noch in diesem Jahr eingereicht wird, mit den Bauarbeiten aber frühestens Ende 2015/Anfang 2016 zu rechnen sei. Ursprünglich hatte Planet Energy schon in diesem Jahr bauen und Strom erzeugen wollen, hatte man doch von einem früheren Antragsteller positive Bauvorbescheide für zwei Anlagen von 149 Meter Nabenhöhe gekauft. Im allerersten Anlauf hatte der frühere Investor mal einen solchen Bescheid bis 99 Meter Nabenhöhe erhalten, sagt Baudezernent Klebe.

Die jüngste Einschätzung des Landesamtes für Denkmalpflege als beratender Fachbehörde des niedersächsischen Kultusministeriums zum Denkmalanspruch des gesamten Gebäudeensembles von Gut Echtringhausen (wir berichten) stellt Tiencken in Frage. Die Stadt Rinteln hat diese Einschätzung dagegen akzeptiert, weshalb das Ministerium eine Fachaufsichtsbeschwerde der Gutsbesitzerfamilie Rinne gegen die bisherigen Bauvorbescheide des Landkreises als inzwischen gegenstandslos zurückwies. Denn die Stadt Rinteln hatte sich am 4. Juli per Ratsbeschluss der Sichtweise des Landesamtes angeschlossen, allerdings darauf hingewiesen, dass das Verwaltungsgericht schon eine frühere Stellungnahme des Landesamts zu Gut Echtringhausen verworfen hatte (wir berichteten).

Noch offen ist dagegen das Widerspruchsverfahren, das Familie Rinne gegen den Bauvorbescheid angestrengt hat. Klebe: „Wir arbeiten noch an der Antwort darauf, die möglichst rechtssicher sein soll.“

Die Firma Planet Energy hat ihrem Gutachter also noch mal einige Hausaufgaben mit auf den Weg gegeben. Dr. Nick Büscher, Vize-Landesvorsitzender des Nabu und Ortsgruppenvorsitzender in Rinteln, schickt derweil schon vierteljährlich neueste Daten über Vogel- und andere Tierbestände in der Auenlandschaft Oberweser bei Hohenrode an den Landkreis. Dieses Naturschutzgebiet weist inzwischen auch Besuche von Fisch- und Seeadler auf, bisher allerdings nur zur Nahrungssuche und -aufnahme. Diese Vögel haben auch aus Sicht von Planet Energy einen höheren Schutzanspruch als der früher immer wieder ins Feld geführte Rote Milan, der auch in der Nähe brütet. Die Adler brüten dagegen noch nicht in Rinteln, aber Büscher und seine Freunde treffen Vorbereitungen, dies zu ermöglichen. Büscher: „Das wären dann die ersten brütenden Seeadler in einer deutschen Mittelgebirgsregion, ein großer Erfolg für den Artenschutz. Der nächste Brutstandort von hier aus ist am Steinhuder Meer.“

Planet Energy hofft, dass diese Brut so bald nicht zustande kommt, zumindest wegen der eigenen wirtschaftlichen Interessen. Noch seien die Windradstandorte zwischen Westendorf und Ahe lukrativ, obwohl sie nur „mindere Windgüte“ aufweisen. Gerade deshalb habe der Gesetzgeber aber auch noch nicht vor, dafür die Einspeisevergütung zu senken. Aber noch länger warten, das verbessere die Perspektiven nicht, räumt Tiencken ein.

Für Neuhäuser ist der Windradbau bei Ahe ohnehin ein Imagerisiko für Planet Energy, ein Tochterunternehmen der Umweltschutzorganisation Greenpeace: „Wie sieht das aus, wenn dann mal ein zerschredderter Seeadler zu Füßen des Windrades gefunden wird?“

Fotomontage: tol
Bisher führten Gegner der Windräder im Wesertal den Milan (unser Bild) als dadurch gefährdeten Vogel ins Feld. Wenn der Nabu in Hohenrode den Seeadler zum Brüten bringt, könnte es ganz schwierig für die Windradinvestoren werden.