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01.04.2017 Gruß aus Obernkirchen

Steinberger Kreuzung: Sandstein für geplante Gabionenwand kommt aus der Bergstadt

Schaumburger Zeitung / 1.4.2017

Steinbergen

Von Jan Oldehus
„Sie müssen am Dienstag wiederkommen!“ ruft der Oevermann-Bauarbeiter von unten herauf. „ Dann kommt die Fräse!“ Der Mann in Knallorange steht vorm Bagger im Schacht neben der B 83 und weiß offenbar ganz genau, was die Zeitung sehen will: „Action“! Der Bagger macht zwar Lärm, wird aber von vorbeirauschenden Sattelzügen noch übertönt. „Das hier sind nur vorbereitende Arbeiten!“ Ach so. „Wir müssen das Wasser wegkriegen!“ Die Drainagerohre aus Kunststoff liegen schon bereit – optisches Kontrastprogramm zu den vielen Narzissen, die auf der sprießenden Rasenfläche gleich nebenan blühen.

Die Bauarbeiten auf der Steinberger Kreuzung schreiten voran, der Verkehr fließt, Meldungen über das befürchtete Chaos bleiben aus. Am kommenden Dienstag, 4. April, – so der Plan – rückt die Asphaltfräse an. Dann wird den derzeit gesperrten Fahrspuren der Garaus gemacht, wird Platz für die neue Betonfahrbahn geschaffen. „Im Moment verlegen die Bauarbeiter eine Planumsdrainage“, erklärt Holger Fröhlingsdorf vom Niedersächsischen Landesamt für Straßenbau und Verkehr auf Anfrage. Das Planum ist die plane Untergrundfläche beim Straßenbau. Die Drainage diene dazu, Wasser aus dem Straßenseitenraum daran zu hindern, in den Fahrbahnkörper einzudringen, erläutert Fröhlingsdorf. Insbesondere im Winter könne es andernfalls zu Schäden kommen, indem seitlich eindringendes Wasser gefriert: Risse entstehen; nicht lange, und die neue Straße ist kaputt. „Diese Vorgehensweise ist bei uns seit 20 Jahren im Straßenbau üblich.“

Auch bei der Gabionenwand, die im höher gelegenen Kurvenbereich gegenüber entstehen soll, spielt die Straßenentwässerung eine Rolle. Die mit Bäumen bewachsene Böschung (Bild oben rechts), direkt neben der Rechtsabbiegerspur für den von der A 2 und aus Bückeburg und Eilsen kommenden Verkehr mit Fahrtrichtung Steinbergen und Rinteln, soll mit diesem bis zu 2,90 Meter hohen Bauwerk gesichert werden. Gabionenwände sind den Rintelnern seit Jahren vor allem aus der Pomona-Kurve in der Nordstadt bekannt (Bild oben links). Mittlerweile haben kleinere Varianten auch schon in Todenmann Einzug gehalten (im Kirschendorf geht demnächst die letzte Gabionenwand in Bau, das Fundament ist bereits gelegt, Wetten darauf, welche Gabionenwand zuerst fertig sein wird, die Steinberger oder die Todenmanner, werden noch angenommen).
Doch warum nun auch an der Steinberger Kreuzung so ein Bauwerk?

„Wir finden es nicht nur ästhetischer als eine Betonwand (die ja auch wieder nur zum Beschmieren einlädt, Anm. d. Red.), eine Gabionenwand ist auch durchlässiger für Wasser“, sagt Fröhlingsdorf. Und: Eine Mulde hinter der Oberkante leitet das von der Böschung herabfließende oder austretende Wasser ab. Die Straße bleibt verschont. Hinzu kommt: „Der Druck des Erdreichs dahinter kann besser aufgenommen werden, und der Bau ist kostengünstiger.“
Erscheint der Arbeitsaufwand an so einem Ingenieurbauwerk auch größer als bei einer schnöden Betonmauer, weil die Natursteine – streng nach EU-Norm – von Hand in die vorgefertigten Drahtkörbe gesetzt werden, so müsse doch Beton komplett eingeschalt und mit passend gemachten Stahlmatten bewehrt werden, gibt Fröhlingsdorf zu bedenken. „Bei der Gabionenwand gilt: Deckel auf, Steine rein, Deckel zu.“ All jenen, die der Gabionenoptik nichts abgewinnen können, sei gesagt: Der verwendete Sandstein kommt aus Obernkirchen.

Foto: JAN
Eine Gabionenwand soll auch an der B 238, unmittelbar vor der Steinberger Kreuzung gebaut werden.