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01.04.2016 Bedenken in Sachen Trassenführung

Naturschutzbund Rinteln äußert sich zu geplanten Ortsumgehungen für Steinbergen und Möllenbeck

Schaumburger Zeitung / 1.4.2016
 
Rinteln
 
(red) Der Naturschutzbund Rinteln begrüßt grundsätzlich die jüngst durch den Referentenentwurf des Bundesverkehrswegeplans in Aussicht gestellte Entlastung für Möllenbeck und Steinbergen. „Sorgen bereitet uns jedoch schon seit Längerem die geplante Trassenführung der geplanten Ortsumgehungen“, so Dr. Nick Büscher, Vorsitzender der NABU-Gruppe Rinteln, in einer Pressemitteilung von Donnerstag.

Die Ortsumgehung der B238 in Steinbergen wird laut NABU das FFH-Gebiet 112 „Süntel, Wesergebirge, Deister“ zerschneiden und einen Waldlebensraum erheblich beeinträchtigen (wir berichteten). Die FFH-Richtlinie, welche in diesem Falle insbesondere die vorhandenen Schlucht- und Hangmischwälder (Waldmeister-Buchenwald und Hainsimsen-Buchenwald) schützt, wird bei der derzeitigen Trassenführung verletzt. Überdies durchtrennt die Ortsumgehung das Landschaftsschutzgebiet SHG 13 „Wesergebirge“, welches charakteristisch für seine naturnahen Laubwälder ist. „Aus unserer Sicht kommt hier nur eine komplette Tunnellösung infrage, um den Eingriff in das Waldbiotop so gering wie möglich zu halten“, wie Dr. Büscher erläutert. Man müsse bei der Feinplanung darauf hinwirken, dass die naturschutzfachlichen Argumente angemessen berücksichtigt werden.

Dies gelte auch hinsichtlich der Ortsumgehung in Möllenbeck, da den Rintelner Naturschützern zufolge der Bereich der „Rintelner Wiesen“ hinter Hessendorf eine der letzten strukturreichen Areale mit Hecken und Weiden darstellen: „Hier gibt es noch kleinteilige Strukturen alter Kulturlandschaft, die es ansonsten im Wesertal nicht mehr gibt.“ Diese Bereiche müssen laut NABU von einer möglichen Trassenführung verschont werden.

Überdies treibt dem NABU die Trassenführung der Ortsumgehung der B83 durch den Arensburger Park in Steinbergen tiefe Sorgenfalten ins Gesicht. „Im unmittelbaren Nahbereich befindet sich das Naturdenkmal SHG 40 ‚Park der Arensburg‘“, wie Büscher erklärt. Die naturschutzfachliche Wertigkeit des Bereiches „Park der Arensburg“ sei aufgrund der vorhandenen Biotoptypen sowie der Artenvorkommen in Flora und Fauna als hoch einzustufen. Von großer Bedeutung sei das Gelände für den Amphibienschutz (siehe Kasten).

Die historische Parkanlage der Arensburg beherbergt darüber hinaus laut Büscher botanische Besonderheiten, die ebenfalls durch Kartierungen belegt sind: Neben selten gewordenen intakten Niedermoorflächen und einer Orchideenwiese weisen die Quellbereiche unweit der historischen Parkanlage einen breiten Saum mit Frühlingsflora (Anemone, Waldmeister) auf, sodass der Bereich „Park der Arensburg“ als Gesamtareal ein Alleinstellungsmerkmal besitzt. Dies würde durch die derzeit geplante Trassenführung erheblich beeinträchtigt werden können.

Der NABU wird im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung eine Stellungnahme zu den im Bundesverkehrswegeplan priorisierten Maßnahmen abgeben und hofft, dass dies in der Abwägung angemessen berücksichtigt wird. „Es muss möglich sein, dass die Ortsumgehungen naturverträglich realisiert werden“, bekräftigt Büscher. Der NABU beteilige sich hierbei gerne an einer sachlichen Diskussion.

Foto: tol/Nabu
Nicht gut für Amphibien seien die geplanten Ortsumgehungen, meint der NABU. Das große Bild zeigt den Arensburg-Park.